AZ vom 26.10.2005 | Netzcode: 10785137

China-Connection nährt Hoffnungen

Bei Besuch in der Provinz Hunan Zusammenarbeit vereinbart - Kreistag segnet Memorandum ab

Amberg-Sulzbach. (et) Groß sind die Hoffnungen, die Landrat Armin Nentwig in die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit China setzt. Groß sind allem Anschein nach aber auch die Erwartungen, die die Chinesen von einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit dem Landkreis Amberg-Sulzbach haben. Hoffnungen wie Erwartungen wurden genährt vom Besuch einer Delegation aus dem Landkreis in der Volksrepublik, bei dem beide Seiten auch ein Memorandum unterzeichneten.

Landrat Armin Nentwig und sein persönlicher Referent Robert Graf informierten den Kreistag bei dessen Sitzung am Montag im König-Ruprecht-Saal des Landratsamts über die Ergebnisse dieses Wirtschaftsbesuchs in der Stadt Loudi in der chinesischen Provinz Hunan. Die Räte sahen in der Zusammenarbeit mit den Chinesen große Chancen, aber durchaus auch finanzielle Risiken.

Genaue Vorstellungen

Wie der Landrat berichtete, sei die Einladung nach China Frucht der vier erfolgreich realisierten Unternehmensansiedlungen von chinesischen Investoren im Landkreis. Ziel sei eine Vertiefung der Wirtschaftskontakte gewesen, wobei die chinesische Seite sehr genaue Vorstellungen bezüglich der Delegation gehabt habe: Deren Mitglieder sollten sich zusammen setzen aus Vertretern der Amberg-Sulzbacher Wirtschaft beziehungsweise von Kommunen, die bereits Gewerbegebiete an den Autobahnen A 6, A 9 und A 93 vorweisen könnten.

Nentwig schwärmte von dem großartigen Empfang, den die Chinesen der Delegation bei dem Besuch im August bereitet hätten. Bei den Gesprächen hätten die Gastgeber großes Interesse am Sondermaschinenbau, aber auch auch allgemein an deutschen Produkten bekundet.

Als Ergebnis des Besuchs wurde ein gemeinsames Memorandum unterzeichnet. Darin vereinbaren die Stadt Loudi und der Landkreis Amberg-Sulzbach, die Kontakte in vielerlei, vor allem aber in wirtschaftlicher Hinsicht weiter auszubauen. Loudi hat darin auch sein Interesse an einer intensiven Zusammenarbeit in den Bereichen Umweltschutz, regenerierbare Energien, Stahlwerkabraumhalden, Elektronik, Maschinenbau und Hochschulausbildung fixiert.

Weitere zehn Anträge

"Recht stürmisch" seien die Chinesen beim Verfassen des Memorandums vorgegangen, blickte Landrat Nentwig zurück, so dass man den Text in eine "unverfänglichere" Fassung habe abändern müssen. Es habe sich der Eindruck aufgedrängt, dass die Chinesen möglichst bald zu einem Gegenbesuch in den Landkreis kommen wollten, was jedoch die Frage der Kosten aufwerfe.

Robert Graf, der im Landratsamt auch für die Wirtschaftsförderung zuständig ist, erläuterte, dass die chinesischen Geldgeber im Landkreis bisher rund zwei Millionen Euro investiert und auch einige Arbeitsplätze für deutsche Beschäftigte geschaffen hätten.

Weitere rund zehn Anträge auf Unternehmensgründung lägen dem Landratsamt vor. Hierbei handle es sich überwiegend um Im- und Exportfirmen aus der Elektonik-, Schwermaschinen- und Textilbranche, aber auch aus der Anlagentechnik. Zu prüfen sei dabei, ob entsprechende Vorschriften, wie das Einwanderungsrecht oder die Mindestinvestitionssumme, eingehalten würden und ob das Konzept tragfähig sei.

Großes Interesse hätten die Chinesen aber auch an deutschem Know-how im Abwasser- und Kläranlagensektor gezeigt, denn die Stadt Loudi weise hier große Defizite auf. Man sei bereits in konkrete Verhandlungen eingestiegen - eine Bietergemeinschaft aus der Region werde sich um die Aufträge bewerben.

Dr. Klaus Schwinger (Freie Wähler) begrüßte die Kontakte, wies jedoch darauf hin, dass ein Gegenbesuch der Chinesen mit großem Zeit- und finanziellen Aufwand verbunden sei. Das Memorandum kritisierte er als eine "sehr lose Vereinbarung, der nichts Konkretes zu entnehmen ist". Schwinger warnte, darüber die Unterstüzung der heimischen Firmen aus den Augen zu verlieren. "Die deutsche Wirtschaftskrise wird nicht dadurch gelöst, indem wir chinesische Firmen nach Europa holen", meinte er.

Zuversicht und Skepsis

"Sich gegen die Globalisierung zu sperren wäre grundverkehrt", begrüßte Hubert Jungbauer (CSU) die Zusammenarbeit. Skeptisch dagegen zeigte sich sein Parteifreund Heinrich Kapperer, der mutmaßte, dass die Chinesen mittels des Landkreises Amberg-Sulzbach eventuell die Exportbeschränkungen knacken wollten. Schließlich zeigten sich jedoch alle Kreisräte mit dem Memorandum einverstanden.

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